Alle vier Jahre wieder

In nicht einmal einer Woche, genauer gesagt am Freitag den 11. Juni 2010 um 16 Uhr Ortszeit, wird im "Soccer City" zu Johannesburg der Anstoß zur 19. Fußballweltmeisterschaft der "Fédération Internationale de Football Association" (FIFA) erfolgen. In diesem Eröffnungsspiel werden sich das Gastgeberland Südafrika und Mexiko gegenüberstehen und somit den Startschuss für das größte Sportereignis der Welt geben, dessen letztes Finale in Berlin im Jahre 2006 zwischen dem späteren Weltmeister Italien und Frankreich inernational über 700 Millionen Menschen verfolgten und somit den doch recht megalomanisch anmutenden "Super Bowl" (das Endspiel der nordamerikanischen Football Liga NFL) weit hinter sich ließ. 

 

Wie so oft, oder besser gesagt wie immer hat diese WM schon vor dem wirklichen Beginn für genügend Schlagzeilen gesorgt, sowohl in sportlicher als auch in politischer Hinsicht. Sportlich gesehen ganz oben steht wohl Verletzung des deutschen Mannschaftskapitäns Michael Ballack, der im FA Cup Finale (Endspiel des Pokalwettbewerbs des englischen Fußballverbandes "Football Association" FA) von einem Spieler des deutschen Gruppengegners Ghana gefoult wurde oder auch die Verletzung von Torhüter René Adler, der Skandal um minderjährige Prostituierte der rund um die französische Nationalmannschaft schwebt, die Verletzung des englischen Fußball-Popsternchens David Beckham, die Nichtnominierung des AS Roma Spielers Francesco Totti der aufgrund rassistischer Beleidigungen aus dem Kader der "Squadra Azzura" gestrichen wurde, die Androhung Samuel Eto'os nicht für sein Land Kamerun aufzulaufen weil er sich vom wohl berühmtesten Landsmann, Roger Milla, zu Unrecht angegriffen fühlt oder aber auch der Spielball selber. Denn dieser Ball, genannt Jabulani, soll einer WM Endrunde nicht würdig sein, so hört man zumindest aus den spanischen und italienischen Lagern. Die größte sportliche Aufregung passierte aber noch viel früher, und zwar war dies die skandalöse Qualifizierung der Franzosen die durch eine zweite Hand Gottes herbeigeführt wurde. Frankreichs Gegner in diesem Spiel, Irland, fühlte sich danach zu Recht betrogen, nichtsdestotrotz, Frankreich ist dabei. Die Deutschen können auch ohne Ballack und Adler mit breiter Brust auflaufen (weil sie ja noch einen zweiten Adler auf derselbigen platziert haben), genau so wie die Italiener ohne Totti und die Engländer ohne Beckham. Auch müssen sich alle teilnehmenden Länder mit Jabulani anfreunden, denn es muss bezweifelt werden dass eigens mitgebrachte Bälle gespielt werden dürfen.

 

Aber auch außerhalb des Platzes sorgt dieses Großereignis natürlich für viel Gesprächsstoff, da die Wahl des Exekutivkomitees der FIFA zum ersten Mal in der Geschichte auf den sogenannten schwarzen Kontinent gefallen ist. Nach der Kontroverse um die Vergabe der WM 2006 entschied sich die FIFA zu einem Rotationssystem das festlegt welche Verbände die Weltmeisterschaft austragen werden. Somit wurde die "Confédération Africaine de Football" (CAF) als erster Verband dieser Rotation bestimmt und Südafrika konnte sich gegen Marokko und Ägypten durchsetzen. Doch schon wenige Monate nach Bau- oder Umbaubeginn der verschiedenen Stadien wurde klar dass dies ein höchst risikoreiches Unterfangen werden würde, und bis vor wenigen Monaten war nicht sicher ob alle Stadien fertig werden sollten. Man musste sogar so weit gehen und die Möglichkeit eines Plan B in Betracht ziehen um die WM in einem anderen Land auszutragen. Deutschland war eine der ersten Nationen die sich dafür zur Verfügung gestellt hatte, wie zum Beispiel auch die USA deren Bewerbungen für 2018 und 2022 nach wie vor stehen. Nach unzähligen Streiks der Bauarbeiter die die Fertigstellung aller Stadien massiv bedrohte können alle Spielstätten planungsgemäß genützt werden.

 

Doch nun tritt ein neues Problem auf den Plan, und zwar das des Transportes innerhalb des Landes. In den Großstädten wie Pretoria, Johannesburg, Kapstadt oder Bloemfontein gibt es schon seit Jahren keinen Busnahverkehr, sondern ein umfassendes Netzwerk von Taxis und kleinen Taxibussen das die Stadtbewohner von Punkt A nach Punkt B befördert. Dies ist aber einhergehend mit der WM nun geändert worden indem man wieder Buslinien eingeführt hat. Die Einwohner freut das selbstverständlich, ganz im Gegenteil zu den Taxifahrern die Ende April schon einmal den Aufstand probten weil sie um ihre Einnahmen fürchten. So wurde vielen der Taxilenker eine Stelle als Busfahrer angeboten. Nun droht aber zumindest in Johannesburg endgültig ein Verkehrschaos, da die Fahrer der Busgesellschaft BRT, die vor allem für den Verkehr zwischen dem Township Soweto und der Innenstadt zuständig ist, am Montag den 31. Mai in den Streik getreten sind. Sie fordern Vollzeitstellen die ab dem 1. Juni in Kraft treten, doch BRT weicht nicht davon ab diese erst ab 1. Juli zu gewährleisten.

 

Doch in Südafrika herrscht natürlich noch ein viel größeres Problem das unter anderem den Ticketverkauf stocken lässt und die Angst der FIFA schürt dass Massen an Anhängern und Zusehern zu Hause bleiben. Egal welchen Statistiken, welchen Zahlen man Glauben schenken will, und trotz des generell absteigenden Trends und der verbesserten Situation bleibt es unbestritten dass Südafrika eine der höchsten Verbrechensraten aller Länder dieser Erde aufweist. So sind zum Beispiel seit dem Ende der Apartheid (1994) über 500.000 Menschen getötet und über 700.000 Vergewaltigungen registriert worden. Man darf durchaus annehmen dass die Dunkelziffer zu beiden Delikten noch viel höher ist. Natürlich trägt die Apartheid Mitschuld an diesen horrenden Zahlen, aber diese Abgrenzung der schwarzen, farbigen und indischen Bevölkerung alleine dafür verantwortlich zu machen wäre doch recht einfach. So muss man anmerken, dass seit Jahrunderten in der schwarzen südafrikanischen Gesellschaft Gewalt etwas erschreckend Normales darstellt, vor allem männliche Gewalt gegen Frauen. Nach dem Ende der oben angesprochenen Apartheid stellen natürlich auch die Angriffe gegen die weiße Bevölkerung ein noch immer großes Problem dar, doch mittlerweile richtet sich die Gewalt mehr nach dem Einkommen, und so schließen sich gutsituierte Menschen aller Hautfarben in abgesicherten Wohngegenden zusammen wo sogar eigene Infrastrukturen geschaffen werden. Anfang April wurde noch dazu der Gründer und Anführer der Burenbewegung "Afrikaner Weerstandsbewegning" (AWB), Eugène Terre'Blanche, von zwei seiner schwarzen Arbeiter ermordet, deren Motiv auch das Geld, der Lohn war den Terre'Blanche ihnen nicht auszahlte. So fürchtet man von offizieller Seite nun auch dass die Mitglieder der AWB Vergeltungsaktionen für die Zeit der WM planen.

 

Um zum Sportlichen zurückzukommen ist es wohl unbestritten dass einige der besten Fußballer der heutigen Zeit vom schwarzen Kontinent stammen und dass Afrika allgemein ein würdiger WM Ausrichter ist, doch gleichzeitig darf man stark daran zweifeln ob es wirklich die beste Idee war Südafrika den Zuschlag für die Weltmeisterschaft 2010 zu geben, einem Land das so massiv mit der Gewalt und dem Vebrechen zu kämpfen hat. Auf jeden Fall müssen sich die Herren Verantwortlichen der FIFA nicht wundern wenn es wirklich so kommen sollte und starke wirtschaftliche Verluste zu verbuchen sind, weil sich die Menschen einfach nicht trauen zur WM 2010 zu reisen um eine sorglose, dem Fußball gewidmete Zeit in Südafrika zu verbringen. Die Mannschaften mit ihrem gesamten Tross werden sicherlich gut beschützt und bewacht sein, aber wie sicher die Fans in Südafrika wirklich sind werden wir erst wissen wenn die WM zu Ende gegangen ist.

 

Natürlich hoffe ich im Namen des 'Schönen Spiels' ("The Beautiful Game" wie die Engländer den Fußball nennen) auf eine begeisternde Weltmeisterschaft mit vielen spektakulären Toren, auf Überraschungen und Favoritenscheitern, auf großartige Stimmung, einen würdigen Weltmeister und auf den vierten Stern für Deutschland. In diesem Sinne...

 

"O se boloke, O se boloke setjhaba sa heso, Setjhaba sa, South Afrika".

 

 

mat