Als ich demontrieren ging ...

Obwohl ich in keinster Weise der Zunft der Berufsdemonstranten angehöre, sah ich kürzlich einen Grund, meinen Unmut in Form eines Aufmarsches zum Parlament und von dort aus weiter zum Ballhausplatz kund zu tun.

Grund für mein zutiefst reaktionäres Verhalten waren die geplanten finanziellen Einsparungen an den Universitäten, die, wenn sie so wie geplant durchgeführt werden, großen Schaden anrichten.

Bevor es tatsächlich zur Demonstration ging wurden wir noch von Rektorat und Professoren im Hörsaal bei einer Vollversammlung der Universität über die Auswirkungen dieser Einsparungen aufgeklärt. Ich war felsenfest überzeugt und sah es als ein studentisches Muss an, hier auch mal auf die Straße zu gehen.

Schließlich stimmt der Spruch: „Blödheit gibt es umsonst, Bildung kostet!“  

Die Demonstration... 

Obwohl ich die Bilder der letztjährigen sinnlosen Audimaxbesetzung noch immer vor Augen hatte, welche ich selbst besucht habe, allerdings nur um den Audimarxisten einen dort angebotenen gratis Kebab wegzu“fr“essen und um mir selbst ein Bild der dortigen Lage zu verschaffen, ging ich diesmal bei der Demo mit.

Betreffend die Demonstration am 19. Oktober 2010 war ich überzeugt, dass es nur um die Bildung und die zukünftige Finanzierung der Universitäten gehen sollte. Ich gebe zu, etwas naiv gedacht, denn ich kenne schließlich unsere ÖH (Österreichische Hochschülerschaft), die keine Gelegenheit auslässt, solche Veranstaltungen für ihre eigenen Propagandaanliegen zu missbrauchen.

Aber egal, ich gab dem ganzen eine Chance.

Mitten in der Menge stachen mir sehr bald rote Fahnen des VSSTÖ (Verband Sozialistischer StudentInnen Österreichs) ins Auge, eine so genannte Vorfeldorganisation der SPÖ auf studentischer Ebene. Ich fand es erstens lustig, wie man wenige Tage nach einer verlorenen Wienwahl schon wieder zum Fahnen schwingen aufgelegt sein kann, und zweitens, wie es einem in den Sinn kommen kann gegen die eigene Partei zu demonstrieren, wenn diese seit Jahrzehnten dieses Land mitgestaltet und für diese ganze Fehlentwicklung mit verantwortlich ist. Da fehlt es anscheinend bei der SPÖ neben einem Parteiprogramm auch noch kräftig an Kommunikationsschwäche. Doch soll man bekanntlich auf am Boden Liegende nicht auch noch treten!

Etwas verwundert waren auch die Blicke eines Aktivisten der mir einen Zettel mit dem durchgestrichenen H.C. Strache Bild unterjubeln wollte, welches er aber postwendend kommentiert mit meinen Worten „den Wisch kannst da gholtn“ selbst wieder einstecken musste. Dies machte ich aber nicht, weil Strache auf dem Bild war, sondern weil es bei dieser Demonstration nicht um Parteipolitik gehen sollte.

Diese Demonstration gipfelte schließlich mit Reden von Studenten am Ballhausplatz. Die Reden waren aber großteils von dermaßen schlechter Qualität, dass Buh - Rufe die logische Folge waren. Typisch für unsere linkslinken ÖH - Vorsitzenden war es, bei ihren Reden zu versuchen, feministische Politik oder Trans-Gender-Homo-Bi - Themen mit auf die Tagesordnung zu setzten, anstatt dem eigentlichen Thema Universitäten die alleinige Aufmerksamkeit zu widmen. Dies förderte den Unmut mancher Studenten und Professoren gewaltig, denn wegen dieser Subthemen waren sie und wir ja nicht gekommen.

Obwohl ich mir, und darüber bin ich froh, selbst einmal einen Eindruck vor Ort gemacht habe, bleibt das Resümee dieser Veranstaltung ein sehr ernüchterndes.   

Mein Resümee und die ÖH... 

Sämtliche negative Politikermeinungen gegenüber Studenten sind für mich nach dem Gesehenen völlig nachvollziehbar, denn eine Studentenschaft, die lediglich verlangt, jedoch aber selbst keine Kompromisse eingehen will, wie Studiengebühren oder Zugangsbeschränkungen, wird in Zukunft auf verlorener Seite sein.

Außerdem sind alle staatsangehörigen Studenten bei Wahlen wahlberechtigt und somit mit in die Schuld zu nehmen, falls sie bei einer der derzeitigen Regierungsparteien ihr Kreuzerl gemacht haben. Würde der VSSTÖler (wo anzunehmen ist, dass er SPÖ wählt) bei seiner Stimmabgabe mehr denken, würde er sich das mühsame Fahnenschwingen bei Demos sparen können. Des Weiteren ist die Wahl des Studiums auch von jedem selbst abhängig und daher spreche ich mich absolut dagegen aus, für Studienrichtungen wie beispielsweise Psychologie oder Politikwissenschaften aufgrund der hohen Hörerzahlen neue Hörsäle zu bauen, zumal viele Studenten diese nur als Alibistudium verwenden. Es wird als zehntausendster Psychologieabsolvent eben schwer werden, ins Berufsleben einzusteigen, weil kein so hoher Bedarf dieser Absolventen vorhanden sein wird. Einzig kann ich mir vorstellen, dass diese Psychologieabsolventen einen Job bekommen, wenn sie ihre Kollegen oder Absolventen von Studienrichtungen wie Afrikanistik oder Politikwissenschaften wegen derer Jobproblemen dann psychologisch betreuen müssen. Ich möchte noch festhalten, dass ich diese Studienrichtungen für sehr wichtig halte, jedoch werden sie von manchen zur reinen Titelbeschaffung benutzt und jene, die diese Studien ernsthaft betreiben, bleiben aufgrund fehlender Sitz - oder Übungsplätze auf der Strecke. Man muss hier von den Studenten verlangen, sich klare Vorstellungen zu ihrer Zukunft zu machen und vor allem, wie sie sich ihr späteres (Berufs-)Leben mal vorstellen. Leider habe ich schon oft selbst in Gesprächen die Erfahrung gemacht, dass viele Studenten einfach drauf los studieren und keinerlei Vorstellungen von ihrem zukünftigen Berufsleben haben. Traurig!

Die Politik ist dahingehend in die Verantwortung zu nehmen, wenn es um die Finanzierung der Universitäten geht. Hier meine ich nicht, wie schon angesprochen, den Massenstudienrichtungen das Geld in den Rachen zu werfen, sondern den Erhalt und  die Sanierung der universitären Einrichtungen, Geld für Forschung und Mitarbeiter aufzubringen und letztendlich auch die gesicherte Ausbildung von Studenten auf höchst möglichem Niveau. Wird das nicht gewährleistet sein, steht uns eine schlechte Zukunft bevor. Ebenfalls traurig!   

Die momentane Studentenschaft und deren ÖH-Vertretung definiert sich nicht nur damit, dass zu den ÖH-Wahlen lediglich nur noch zwischen 25 - 30% hingehen, sondern auch durch Verschwendung/Verschwinden von ÖH-Geldern und dem Ansprechen der falschen Themengebiete. Alleine für diese Demonstration steuerte die ÖH ca. 100 000€ bei, wobei ich selbst bei der Demonstration nicht erkennen konnte, wofür dieses Geld tatsächlich verwendet wurde. Wahrscheinlich wurde wieder damit spekuliert, das Audimax (wie es auch dann für einen Tag der Fall war) für längere Zeit zu besetzen. Schließlich hätten die Besetzer ja wieder Nahrungsmittel (siehe Kebab) gebraucht, die mit unserem Geld, dem Pflicht ÖH-Beitrag von ca. 17€ im Semester für jeden Studenten, finanziert werden. Sollte es noch einmal zu einer Besetzung kommen, rufe ich dazu auf, sich seinen ÖH Beitrag durch dortigen Nahrungsmittelkonsum, wie ich es gemacht habe, zurückzuholen. 

Eine Studentenvertretung namens ÖH kann man auch dann nicht für wahrhaftig nehmen, wenn bei den BV-Sitzungen (Bundesvertretung) Anträge gestellt werden wie beispielsweise vom Mandatar der kommunistischen Fraktion, ob nicht die nächste Sitzung auf Kuba stattfinden könne oder wenn die derzeit den Vorsitz stellende GRAS-Fraktion (Grüne & Alternative StudentInnen) mit einem Liegestreik die Sitzung lahm legt, wenn ihre Vorschläge nicht auf Zustimmung stoßen. Wer das nicht glaubt, kann sich zukünftige Sitzungen live im Internet ansehen und wird seinen Augen nicht trauen.

Leider hat noch keine Fraktion in letzter Zeit ein fähiges Team vorweisen können, dem man Führungsqualitäten und Kompetenz nachsagen hätte können.

 

vew