Das Ende der gepflegten Unterhaltung?

Letzte Woche hatte einer der größten Entertainer, den der deutschsprachige Raum je zu bieten hatte, seinen - zumindest vorläufig - letzten Auftritt im öffentlichen Fernsehen. Die Rede ist natürlich von Harald Schmidt. Kurz darauf wurde bekannt, dass auch Thomas Gottschalks gewagter Versuch, eine Livesendung im Vorabend des Ersten Deutschen Fernsehens zu positionieren, gescheitert ist. Auch er muss wegen zu schlechter Quoten das Feld räumen. Dies nimmt der Autor zum Anlass etwas über den vermeintlichen Verfall von anspruchsvoller Fernsehunterhaltung zu sinnieren.

Sein Publikum war begeistert, als 2011 Schmidts Rückkehr zu seinem Stammsender SAT1 bekannt wurde. Nach zwei Ausflügen zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen, erhoffte man sich nun wieder den alten Harald Schmidt erleben zu dürfen. Diese Hoffnungen wurden voll und ganz erfüllt. Seine Sendungen waren besser denn je. Mit altgewohnten Pointen und seiner unverwechselbaren politischen Inkorrektheit blühte er wieder auf und vermochte bestens zu unterhalten. Dies bescheinigte ihm auch nahezu jedes deutsche Feuilleton. Nichtsdestotrotz musste er bereits nach wenigen Monaten das Feld räumen, da seine Quoten weit unter den Erwartungen blieben.
Stefan Raab hingegen schafft es zur selben Sendezeit mit einer beinahe inhaltslosen Sendung, plattem Witz und unveränderten Elementen seit Jahrzehnten sein hauptsächlich junges Publikum vor dem Schirm zu versammeln. Eine Tatsache die dem Autor unerklärlich scheint.

Schmidts alten Sendeplatz wird vermutlich eine der zahlreichen „Game-Shows“, die seit geraumer Zeit bei fast jedem Sender - sogar den Öffentlich-Rechtlichen - aus dem Boden sprießen, einnehmen. In diesem  „Genre“ werden Personen, auf der Suche nach schnellem Geld, die Folgen ihres Fernsehauftrittes nicht abschätzend, dazu gebracht, sich vor einem Millionenpublikum zu prostituieren und es mit ihren Fehltritten und Missgeschicken zu belustigen.
Eine Entwicklung die derzeit unaufhaltbar zu sein scheint, da der Großteil des Fernsehpublikums offenbar nach dieser Art der leichten Unterhaltung lechzt.

ale