Das Malheur an den österreichischen Universitäten

Der Rechnungshof hat in seinem neuesten Bericht das bestätigt, was ohnehin schon alle (Studenten) wussten, nämlich, dass das Betreuungsverhältnis an den österreichischen Universitäten zu wünschen übrig lässt. Durch das im Jahre 2004 in Kraft getretene Universitätsgesetz 2002 wurde den Universitäten in etlichen Bereichen weitgehende Autonomie zugesichert. Die neu gewonnene Gestaltungsfreiheit erstreckt sich auch auf den Personalbereich sowie den damit einhergehenden Entgeltvereinbarungen.

Quintessenz der Prüfung des Rechnungshofes ist, dass sich das Verhältnis zwischen Lehrenden und Studenten in den letzten Jahren kaum verbessert und auf manchen Universitäten (WU Wien) sogar verschlechtert hat. Obwohl sich der Personalaufwand in den letzten Jahren an den österreichischen Unis kontinuierlich erhöht hat, konnte man den zusätzlichen Ansturm an Studenten, der mit dem Wegfall der Studiengebühren eingeläutet wurde, nicht mehr bewältigen. So kamen an der WU Wien im Jahre 2008 bereits 331 Studenten auf einen Professor bzw. 45 Studenten auf einen Lehrenden. Vor allem im internationalen Vergleich schneiden österreichische Universitäten beim Betreuungsverhältnis besonders schlecht ab.

Wo liegen also die Ursachen für diesen desaströsen Zustand? Wie so oft hat die Politik einen Großteil der Schuld auf sich zu nehmen. Im Vorfeld der letzten Nationalratswahlen wurde die Abschaffung der Studiengebühren beschlossen. Dies führte nicht nur zu einem Wegfall eines nicht unbeachtlichen Teiles des Unibudgets sondern zu einem zusätzlichen Anstieg der Studentenzahlen. Die von der Politik seit Jahren versprochene Erhöhung des Unibudgets von derzeit 1,2 % des Bruttoinlandsprodukts auf 2 % ist mittlerweile ebenso unglaubwürdig, wie das politische Kredo, dass Bildung die wertvollste Investition in die Zukunft sei.

Der Teufelskreis besteht also einerseits aus einer Studentenschaft, die nicht bereit ist für ihre Bildung etwas beizutragen, etwa im Zuge eines Nachweises der vorhandenen Qualifikation für das angestrebte Studium zum Beispiel durch Aufnahmeprüfungen. Andererseits ist die Politik nicht gewillt, ihrer Verpflichtung nachzukommen eine Studienlandschaft zu ermöglichen, die den österreichischen Ansprüchen gerecht wird, sei es auch durch unpopuläre Maßnahmen.

 

joh