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Der durchschnittliche rechte Wähler

Kaum eine Wahl der letzten Jahre zog ins Land, die nicht von erschöpfenden Statistiken und Analysen der Wählerschaft der einzelnen Parteien begleitet wurde. Hierbei stand in der letzten Zeit besonders ein Parameter im Fokus: der Bildungshintergrund der Unterstützer von sogenannten „rechtspopulistischen“ Parteien. Die zentrale Erkenntnis lautet, dass rechte Parteien und Kandidaten ihre Wähler hauptsächlich aus der ungebildeten Unterschicht rekrutieren würden. Die Medien stürzen sich mit Freude auf die Statistiken und konstruierten z.B. im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl einen an den Haaren herbeigezogenen „durchschnittlichen Trump-Wähler“. Besonders ins Auge stechen hier die selbsternannten „Comedians“, die mit Suggestiv- und Fangfragen im Stil des Ö3-Mikromanns bewaffnet durch die Menschenmassen einer Wahlkampfkundgebung ziehen und anschließend die absurdesten Antworten zu einem kurzen Video zusammenschneiden (z.B. bei [1]). Ich bin überzeugt, dass man auf diese Weise mit den richtigen Fragen ein ähnliches Ergebnis bei den Wählerscharen aller Parteien, ja sogar bei absolut jeder zufällig gewählten Personengruppe ausreichender Größe erzielen kann.

Tatsächlich hat jedoch das so gezeichnete Bild mit der Wirklichkeit und der faktischen Zusammensetzung der Wählerschaft nicht das Geringste zu tun. Hingegen sieht es so aus, dass konservative Kräfte in der gesamten westlichen Welt aufgrund der totalen Unfähigkeit, bedenklichen Politik und verantwortungslosen Untätigkeit der etablierten Parteien immer mehr Aufwind bekommen, was sich in einem erhöhten Zuspruch von Wählern nicht nur der unteren, sondern aus sämtlichen Bevölkerungsschichten widerspiegelt (siehe z.B. [2]).

Stark verwunderlich ist hier auch die plötzliche Verunglimpfung der Menschen mit niedrigen oder keinen Bildungsabschlüssen seitens der linken Parteien, die doch ansonsten entschlossen hinter jeglicher Form von Minderheit oder angeblich benachteiligter Bevölkerungsschicht stehen. Doch offenbar kann man auch diese Einstellung drehen und wenden und über den Haufen werfen, wie es gerade opportun ist. Man bekommt den Eindruck, dass es noch gar nicht so lange her ist, als unter den wenig gebildeten Massen hauptsächlich SPÖ-Wähler zu finden waren. Selbstverständlich galten sie damals als die laute Stimme der Geknechteten, der Unterdrückten, der arbeitenden Bevölkerung, doch heute, wo sie mehr und mehr zur FPÖ abwandern, werden sie plötzlich nur mehr als dummes, faules und ungebildetes Pack bezeichnet, dem man am besten das Wahlrecht entziehen sollte. Wohlgemerkt: es handelt sich um ein und dieselbe Bevölkerungsgruppe. Die etablierten Parteien verkaufen die Wähler für blöd und führen sie an der Nase herum, wundern sich dann, wenn sie nicht mehr gewählt werden und besitzen zu guter Letzt auch noch die Frechheit, die vergraulte Wählerschaft zu denunzieren und zu demütigen.

Zuletzt stellt sich nur noch die Frage, was der individuelle Bildungsabschluss eines einzelnen Wählers überhaupt für dessen Beitrag zur Gesellschaft bedeutet. Vergleicht man hier etwa einen Tischlermeister, der seit dem Alter von 15 Jahren beschäftigt war und Steuern gezahlt hat, mit einem Publizistikstudenten, der nach 18 Semestern endlich seinen Bachelor abgeschlossen hat, so fällt die Beantwortung dieser Frage recht leicht. Ein Beispiel für die teilweise Weltfremdheit der Studenten findet man an der Ivy-League-Universität Brown in Rhode Island. An dieser wurde kürzlich ein sogenannter „Safe Space“ eingerichtet, der „Plüschtiere, Kekse, Malbücher und sogar Knetmasse“ enthält und in dem die armen Studenten Zuflucht vor der bösen Welt mit all ihrem Unheil finden sollen ([3]).

Selbstverständlich ist auch die überwiegende Mehrheit der Studenten leistungsbereit, ehrgeizig, motiviert und grundvernünftig. Doch dieses Beispiel soll zeigen, dass es auch hier genau wie in jeder anderen Bevölkerungsgruppe schwarze Schafe gibt und der Beitrag zur Gesellschaft nicht so einfach am Bildungshintergrund zu messen ist, wie es die politische Linke und die gleichgeschalteten Medien so oft vorgeben. Wenn der hart arbeitenden Durchschnittsbevölkerung immer wieder vorgesetzt wird, sie sei ohne Studienabschluss sowieso nichts wert, und noch dazu die Wähler von gewissen Parteien mit demselben Argument verunglimpft werden, darf man sich nicht wundern, wenn diese Fraktionen anschließend noch mehr Zulauf verzeichnen.

Leider lassen sich auch die Menschen im bürgerlichen Spektrum der Bevölkerung immer wieder von den durch die Medien eingeimpften verzerrten Darstellungen blenden und vergessen, dass ein reiner Bildungsabschluss nicht als Maß für die Intelligenz und schon gar nicht für den Beitrag zur Gesellschaft herangezogen werden kann. Meiner Meinung nach repräsentieren die sogenannten „Ungebildeten“ das Volk jedenfalls viel besser als die paar abgehobene C-Promis, Musiker, Schauspieler und Kabarettisten, die man tagtäglich in den Seitenblicken zu sehen bekommt und die nichts besseres zu tun haben, als uns ihre politische Meinung aufzudrängen.

[1] http://www.huffingtonpost.co.uk/entry/the-daily-show-donald-trump-supporters-video_uk_57e39421e4b0e81629a8f1b7

[2] https://www.welt.de/politik/ausland/article159411543/Von-wegen-Rache-der-Abgehaengten-Wer-wirklich-Populisten-waehlt.html

[3] http://diepresse.com/home/bildung/universitaet/5090953/Das-Bose-wird-ausgesperrt

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