Fußball-EM in der Ukraine

Seit 7. Juni geht in Polen und der Ukraine die drittgrößte Sportveranstaltung, die es nach Olympia und der Fußball-WM gibt, über die Bühne. Die Ukraine als Veranstalter sorgte bereits vor Beginn für eine Menge Schlagzeilen, die allerdings nicht sportlicher, sondern politischer und wirtschaftlicher Natur waren. Zuerst gerieten die Verantwortlichen durch die explodierenden Investitionen für den Neu- und Umbau der Stadien in die Kritik, was auch vor der Weltmeisterschaft in Südafrika 2008 für Aufregung sorgte. Auch die Tierschützer stiegen auf die Barrikaden, da es den Medien nach zu Massentötungen von Straßenhunden kam und ukrainische Feministinnen protestierten unentwegt gegen Sexismus und Gewalt. Die Empörung erreichte aber durch die Berichterstattung über die früheren Premierministerin Julia Timoschenko ihren Höhepunkt, die wegen Amtsmissbrauch eine siebenjährige Haftstrafe absitzen muss. Den Medien nach verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand zunehmend, die Regierung verwehre ihr aber jegliche medizinische Versorgung.

Die Meldungen über die Zustände in der Ukraine spalteten die Meinungen. Auf der einen Seite reagierten zahlreiche europäische Staatsoberhäupter mit einem Boykott der Veranstaltung, darunter auch die deutsche Bundeskanzlerin. Die Anderen verwiesen auf das Faktum, dass Politik und Sport streng zu trennen sei. Das Märchen vom reinen Sport aber gibt es nicht mehr, er wurde längst zum Spielball von Wirtschaft und Politik. Millionen an Fernseh- und Werbegeldern fließen, bei jeder zweiten Fußballmannschaft in der Ukraine fungiert jemand als Mäzen, der mit dem Regierungschef oder Ministern auf Urlaub fährt.

Schon vor der Vergabe der EM nach Kiew war bekannt, dass in diesem Land Korruption an der Tagesordnung steht und wie mit Regimegegnern oder politisch Andersdenkenden verfahren wird. Es hätte bereits viele Möglichkeiten gegeben, bei denen Politiker ihren Protest gegen die ukrainische Politik zum Ausdruck hätten bringen können, doch diese wurden nicht genutzt. Boykottiert man nun, bringt es ein höheres Maß an medialer Aufmerksamkeit, doch hinterlässt einen mehr als scheinheiligen Eindruck. Es war ein Fehler die Ukraine als Veranstaltungsort zu wählen, den sich sowohl der europäische Fußballverband (UEFA), als auch die Politiker Europas eingestehen müssen.

Die Verantwortlichen der Sportverbände UEFA, FIFA, FIA, usw. stellen seit geraumer Zeit unter Beweis, dass bei der Auswahl an Veranstaltungsländern, dessen politische Situation konsequent ignoriert wird. Die Olympischen Spiele in China 2008 oder der Formel 1 Grand Prix in Bahrain bleiben durch Demonstrationen und Boykottierungen eher in Erinnerung als durch sportliche Höhepunkte. Bevorstehende Großereignisse wie die Fußball-Weltmeisterschaften in Russland und Katar 2018 und 2022 und die Eishockey-WM in Weißrussland 2014 bestätigen den eingeschlagenen Weg.

Die Realität zeigt dass der Sport den kommerziellen Zielen untergeordnet wird. Doch politisch und wirtschaftlich labile Staaten, die von Meinungs- und Pressefreiheit weit entfernt sind und in denen sich Politiker wenig um die Rechte ihrer Bürger kümmern, sind absolut unreif sportliche Großereignisse auszutragen.

phk