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Gedanken zur Wehrpflicht - Teil 2

…Seinen Umgang mit Kritikern, die nichts als die Wahrheit sprechen, bewies er in der Causa Entacher. Dieser General, primär eine parteipolitische Besetzung als Generalstabschef, wagte und wagt es, die von Darabos veröffentlichen Zahlen berechtigter Weise zu kritisieren, und außerdem anzumerken, dass dessen Annahmen ein Berufsheer betreffend schlicht und ergreifend falsch seien. Daraufhin wurde General Entacher seines Postens enthoben, ohne Angabe von Gründen, und durch einen willfährigen schwächelnden Generalstäbler namens Commenda ersetzt. Da dieses Vorgehen inhaltlich haltlos und dienstrechtlich völlig ungesetzlich war, erstritt sich Entacher seine Position wieder. Und das immerhin gegen den Minister mit der mittlerweile nahezu unerträglicher Unterstützung der Kronenzeitung.

Noch vor Abschluss des Verfahrens erhielt Entacher mit dem „Legion of Merit – Degree of Commander“ die höchste an nicht US Bürger verliehene militärische Auszeichnung durch den US Botschafter in Österreich. Auf Grund seiner Leistungen als Soldat. Der Presse – Sie werden es schon ahnen – keine Erwähnung wert.

Na ja, und als dann das öffentliche Gericht dem Narren im Ministerium seine Fehler vor Augen führte, und den Generalstabschef in allen Punkten als im Recht stehend beurteilte, wurde wiederum von der Öffentlichkeit keinerlei Aufruhr bemerkt. Immerhin galt es den Verdienstentgang an Entacher über die Monate auszugleichen, und das sicherlich nicht aus der Privatschatulle des Herrn Darabos. Auf die Frage, ob nicht das Primat der Politik, wie von Darabos gebetsmühlenartig wiederholt, diesem das Recht auf Neubesetzungen unliebsam gewordener Spitzenmilitärs geben würde, antwortet der Generalstabschef emotionslos: „Das politische Primat das ich eng mit dem theoretischen Modell Montesquieus verknüpft sehe und das freilich in seiner politischen Wirklichkeit nirgendwo so rein in Erscheinung tritt, wie es sich vielleicht ein Systemtheoretiker wünscht, liegt in einer pluralistischen Demokratie zweifellos beim Volk und dessen Willen. Bei uns eben bei jenen, die das Volk vertreten, also beim Gesetzgeber. Und der hat klar in den einschlägigen Bestimmungen der Bundes-Verfassung die Allgemeine Wehrpflicht und den Grundsatz der Miliz bestimmt. Dem kann sich kein Organwalter unserer Republik, der ja obendrein sein Dienstgelöbnis auf diese Gesetze geleistet hat, entziehen. Da macht es keinen Unterschied, ob jemand Bundeskanzler, Minister, Staatssekretär, leitender Beamter oder Offizier ist. Unabhängig von der Frage, dass das Bundesheer auch bei Aufrechterhaltung der Allgemeinen Wehrpflicht eine Reform braucht.“ So weit, so gut.

Vielleicht darf ich jetzt kurz auf den Themenkomplex des Allheilmittels Berufsheer eingehen.

Erstens ist fest zu halten, dass natürlich jetzt schon unsere Armee eine Berufsheerkomponente hat, die ausgezeichnet ausgebildet auch international herzeigbare und mehr als vergleichbare Leistungen erbringt.

Dafür braucht man Freiwillige, die sich zur Ausbildung zum Soldaten entschließen.

In einem Berufsheer neuer Prägung werden davon aber deutlich mehr als bisher erforderlich sein.

Gleichzeitig wäre es nötig, berufliche Ausstiegsszenarien für Soldaten ab dem 45. Lebensjahr zu erarbeiten, denn nach diesem Alter ist eine Feldverwendung eines Unteroffiziers in niedriger Kommandantenfunktion einfach nicht sinnvoll. Das sehen wir derzeit nur all zu deutlich, wenn ein knapp 60 jähriger Vizeleutnant in seinem Panzer stundenlang im Regen auf Einsatzbefehle wartet. Das ist nicht zeitgemäß. Das gehört beendet!

Wie schaut es eigentlich wirklich aus mit den Freiwilligen in diversen Berusarmeen? Hier die Fakten: Mangel über Mangel soweit das Auge reicht. Warum wir nichts darüber wissen? Schlicht und einfach: weil es tot geschwiegen wird. In Spanien zum Beispiel mussten die geistigen Anforderungen für die Aufnahme gesenkt werden. Dies auf einen IQ von 70, welcher dann auf 80 angehoben werden musste, da man einsah, dass Soldaten doch einfache Texte lesen können müssen.

In Amerika erfordert das IQ Problem bereits einige Besonderheiten:

Da in vielen Einheiten die Kunst des Lesens nicht so verbreitet ist, als dass man sich verlassen könnte, dass ein GI den Begriff der Löwenroute lesen kann, bekommt er einfach ein Bild mit einem Löwen. Diesen erkennt er.

Großbritannien musste in Gefängnissen, unter Obdachlosen sowie innerhalb von Pubs rekrutieren.

Schweden hat nach der Umstellung große Rekrutierungsprobleme.

Das erklärt dann aber auch die Übergriffe und Missbrauchsfälle im Rahmen der Feldzüge im Irak oder Afghanistan. Diese Exzesse tragen halt leider schon die Handschrift solcher auf diese Weise rekrutierten Männer!

Die belgische Armee ist völlig überaltert, bekommt kaum Nachwuchs, Einsatzbereitschaft und Truppenstärke sind katastrophal.

Nun zu unserem Lieblingsnachbarn Deutschland. Dort durfte ja ein Stern am politischen Himmel, der über eine Doktorarbeit von dort rasch wieder herunter fiel, die Bundeswehr zugrunde richten: Ziel des Herrn von und zu war es die Bundeswehr auf 185.000 Mann zu reduzieren und das Heeresbudget um 8,5 Mrd Euro zu reduzieren.

Was folgte war Ernüchterung. Vor allem das Führungspersonal in der Bundeswehr erlebt die eklatanten Mängel des neuen Systems. Offiziere und Unterführer beklagen eine „übereilte, finanziell nicht hinterlegte und demografisch unsinnige Wehrpflichtabschaffung“ (Obstlt iG Buch, in „Die Presse“, 2.9.12).  Viele vermissen das von v.a. Politikern Erhoffte: Einsparungen im Verteidigungsbudget, mehr finanziellen Spielraum für Investitionen oder auch eine Erhöhung der Einsatzzahlen für Auslandseinsätze.

Von den 15.000 Stellen für Freiwillige in der Bundeswehr (bis zu 23 Monate Verpflichtungsdauer) gäbe es im ersten Jahr insgesamt 20.000 Bewerber, aber nur 12.000 Geeignete (mit einer Verpflichtungszeit von durchschnittlich 14-16 Monaten). Ein Viertel davon entschied sich innerhalb der 6-monatigen Probezeit, die Bundeswehr wieder zu verlassen. Somit verblieben 9.000 für 15.000 Stellen übrig. Das ist bereits ernüchternd, aber für die Zukunft ist das noch weniger erfreulich, denn es werden immer weniger junge Menschen, um die alle Arbeitgeber konkurrieren. Wer nicht einen entsprechend höheren Sold bietet, gewinnt keine qualifizierten Freiwilligen. Damit muss sich die Bundeswehr bei abnehmenden Jahrgangsstärken von 15 % sinkenden qualitativen Voraussetzungen von Bewerbern und einem sich weiter flexibilisierenden und internationalisierenden Arbeitsmarkt mit allen anderen öffentlichen und nicht öffentlichen Arbeitgebern in den Kampf um die Talente begeben. Die Personalkosten werden deshalb steigen oder die Streitkräfte mit Minderqualifizierten gefüllt.

Wie konnte man sich bei der Berechnung potentiell Freiwilliger nur so täuschen? Ganz klar, die Berechnungen gingen von der Zahl jener Freiwilligen aus, die sich in der Bundeswehr mit Wehrpflicht nach dem Kennenlernen des Betriebes zu weiteren Dienstjahren verpflichten ließen.  Die hatten somit aber ganz wesentlich andere Voraussetzungen. Wie viel die Werbekosten für Freiwillige in Deutschland in Zukunft ausmachen werden, wagt noch niemand vorher zu sagen, 3 Mrd Euro werden kolportiert. Österreich sollte gewarnt sein…

JK