Gurkenkrümmung, die Zweite

Die EU bietet wieder einmal einen Anlass, sie nicht zu mögen. Die Bürokraten aus Brüssel haben beschlossen, dass ab dem kommenden Jahr keine offenen Olivenölkännchen mehr auf den Tisch kommen dürfen. In Zukunft sind in Restaurants nur mehr versiegelte, nicht nachfüllbare Flaschen erlaubt. Der Zweck dieser Vorschrift soll einerseits im Schutz des Verbrauchers vor minderwertigem Öl liegen. Andererseits soll ausreichende Hygiene gewährleistet werden.

Diesen hehren Absichten steht der Verdacht des EU-Regulierungswahns gegenüber. Wie bei der mittlerweile berühmten Verordnung einer maximal zulässigen Gurkenkrümmung denken sich viele Europäer zu Recht: Muss das wirklich sein? Das überflüssige Verbot offener Olivenölflaschen ist jedenfalls Wasser auf den Mühlen aller EU-Skeptiker.

Ein genauer Blick auf das Vorhaben unterstreicht die Kritik. Während es den europäischen Olivenölflaschen an den Korken geht, sind andere Tischgesellen wie Salz, Pfeffer oder Essig nicht betroffen. Diese einseitige Behandlung mag damit zusammenhängen, dass die Forderung insbesondere von Spanien, Italien, Portugal und Griechenland erhoben wurde - den vier größten Olivenölproduzenten in der EU und größten Profiteuren der neuen Regelung. Denn das Nachfüllen offener Kännchen kommt den Wirten zweifelsfrei billiger als die verpflichtende Verwendung kleiner Ölfläschchen. Ab 2014 fällt der Mengenvorteil weg. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Gurkenkrümmung hin, Olivenölversiegelungspflicht her: Auf ihre plakative Art und Weise beweisen beide Fälle die große Distanz der EU zu den wahren Problemen der Menschen.

grü