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Ist die Freiheit der Meinung politisch erwünscht?

Diese Frage scheint mehr als berechtigt, wenn man den politischen Diskurs der vergangenen Wochen, der durch das neu erschienene Werk von Thilo Sarrazin „Deutschland schafft sich ab“ ausgelöst wurde, verfolgt. Sowohl die SPD, in der Thilo Sarrazin derzeit noch Mitglied ist (ein Ausschlussverfahren gegen ihn aufgrund der Äußerungen in seinem Buch wurde sofort medienwirksam eingeleitet) als auch die restliche, vermeintlich seriöse Parteienlandschaft in der Bundesrepublik Deutschland hat sich sofort von den „haltlosen“ Inhalten aus Sarrazins Buch distanziert. In der Bevölkerung scheinen diese Reaktionen keine vergleichbare Resonanz zu finden. Ein großer Teil der bürgerlichen Schicht fühlt sich in den Aussagen Sarrazins bestätigt, wie diverse Umfragen bestätigen. Sarrazin hat vollbracht, was längst überfällig war: Er hat es gewagt, das Kind beim Namen zu nennen und dabei einen politischen Tabubruch begangen. Gesellschaftlich unerwünschte Entwicklungen unverblümt anzusprechen und zu kritisieren, gehört schon seit längerem nicht mehr zum guten Ton und schon gar nicht zur „Political Correctness“.

Doch Sarrazin scheint einen Nerv getroffen zu haben; Umfragen zufolge würde jeder fünfte Deutsche Sarrazin bei Bundestagswahlen seine Stimme geben. Dies spiegelt auch die Ignoranz des derzeitigen politischen Establishments wider, das offensichtlich den Sorgen und Bedürfnissen der Bevölkerung bzw. der Wähler keinerlei Aufmerksamkeit schenkt und damit ein gewaltiges Wählerpotential unbefriedigt auf der Strecke bleibt.

Im Tenor mit den politischen Statements – wie es auch nicht anders zu erwarten war – verlief die mediale Berichterstattung, welche kein gutes Haar an Sarrazin ließ. Als Thilo Sarrazin zu Gast bei der ARD-Sendung „Beckmann“ sein Buch gegen Moderator und den bunt zusammengewürfelten Haufen von Kritikern, die mehr oder weniger erfolglos versuchten, Sarrazins Ansichten zu falsifizieren, sofern dies überhaupt möglich ist, verteidigte, konnte man beängstigende Parallelen zu der Sendung von Johannes B. Kerner ausmachen, die nach der fortwährenden Erniedrigung des Studiogastes Eva Herman sogar mit dem Rauswurf derselbigen endete.

Doch die Diskussion ist vom Zaun gebrochen. Man kommt nicht umhin Sarrazin für seinen mutigen Vorstoß, der ihm auch seinen Posten als Vorstand bei der Bundesbank gekostet hat, den Dank auszusprechen. Es war höchst an der Zeit, dass die augenfälligen Missstände, die sich nicht von selbst lösen werden, von einer politischen Persönlichkeit mit einem unbestrittenen Renommee, der man nun wirklich keine rechtspopulistische Gesinnung vorwerfen kann, aufs Tapet gebracht wurden.

Letzten Endes geht es jedoch weniger darum, all den Thesen Sarrazins zuzustimmen, als ihm sein Recht auf freie Meinungsäußerung zu gewähren.

joh