Nicht jeder Abschied fällt schwer

Im Londoner Vertrag 1915 wurde dem neutralen Königreich Italien, von England und Frankreich, die Brenner Grenze und andere Gebiete Österreichs zugesichert um einen Kriegseintritt von diesem zu verhindern. Drei Jahre später, also vor 95 Jahren, wurde Italien von den sogenannten Siegermächten des 1. Weltkriegs im Vertrag von St. Germain Deutsch-Südtirol zugesprochen. Man hatte also dem Königreich Italien ein Gebiet deutsche Geschichte gegeben, das sie nicht einmal fähig waren einzunehmen, geschweige denn eine Zeit lang zu besetzen. Die Italiener ließen sich von ausgelaugten und schwer erschöpften kaiserlichen Truppen, welche an mehreren Fronten zugleich kämpften, und einigen Bauern in die Flucht schlagen. Es ist daher nicht übertrieben wenn man sagt, dass man jeden Deutschen in diesem Diktatfrieden schwer beleidigte und Österreich ein Stück Geschichte und Kultur entriss. Dass diese Entleibung Südtirols vom neu entstanden Deutschösterreich gegen den Willen der dort ansässigen Bevölkerung geschah und somit dem 14-Punkte Programm von US-Präsidenten Wilson und dem Selbstbestimmungsrecht der Völker widersprach war England und Frankreich wohl egal.
Mir ist sehr wohl bekannt, dass das Thema Südtirol ein sehr altes und schon seit fast 100 Jahren andauerndes Thema ist, doch es ist nach wie vor ein wichtiges Thema.

Denn was widerfuhr den Südtirolern aufgrund dieses Friedens? Alles begann am 24. April 1921, dem Bozner Blutsonntag, an dem der Marlinger Lehrer Franz Innerhofer von faschistischen Schlägertrupps erschossen wurde. So wurde der Faschismus die wohl schrecklichste Zeit für alle Deutschen Südtirols, und die Italienisierung Deutsch-Südtriols durch Benito Mussolini und Ettore Tolomei nahm ihren Lauf: Namen wurden geändert, Denkmäler und Gebäude wurden abgetragen, geschändet und zerstört, Grabmäler, Straßen und Orte umbenannt, Deutsch als Amtssprache und Sprache in der Schule abgeschafft. Dies alles gipfelte im Bau eines Siegesdenkmals der Faschisten im Jahre 1928, also 10 Jahre nach Kriegsende. Weiters erhielten italienische Unternehmen große Subventionen, wenn sie sich in Südtirol ansiedelten.

Als 1938 Adolf Hitler Österreich an das Deutsche Reich anschloss, schöpften viele Südtiroler Hoffnung, nun auch wieder von Italien losgelöst zu werden. Doch dem war nicht so, Hitler schloss mit Mussolini einen Pakt und verriet Südtirol an ihn. Die zwei "Führer" einigten sich auf eine Option für die Deutschen Südtirols. Man wurde vor die Wahl gestellt: entweder verließ man seine Heimat und kehrte heim ins Reich, oder man verblieb in Südtirol und dem verhassten Italien. Es kam zu Auseinandersetzungen zwischen Optanten und Dableibern. Der Andreas-Hofer-Bund wurde gegründet um möglichst viele Südtiroler zum Verbleib in ihrer Heimat Südtirol zu bewegen, doch nicht einmal ein Drittel blieb hier. Nach dem Sturz Mussolins 1943 besetzte die Wehrmacht Südtirol, was irrsinnige Freude und Hysterie auslöste. Doch kurz nach Kriegsende wehte am 03.05.1945 wieder die italienische Fahne am Brenner.

Die Italienisierung wurde fortgesetzt, was schließlich zur Internationalisierung des Südtirol-Problems führte. Der damalige Außenminister Bruno Kreisky brachte dieses Thema 1960 erstmals vor die UNO-Vollversammlung. Man erkannte zwar in der Theorie schließlich eine Verbesserung des Autonomiestatuts zu, in der Praxis änderte sich allerdings nichts. So kam es zur Gründung des Befreiungsausschusses Südtirols, kurz BAS. Bereits in den 50er Jahren organisierte der BAS kleinere Anschläge auf faschistische Denkmäler und Gräber. Von 1956-61 wurden vor allem Strommasten, die das italienische Industriegebiet versorgten, gekappt und zerstört.
In der Nacht vom 11. auf den 12. Juni 1961 kam es zur Feuernacht, in der einige Mitglieder des BAS 37 Strommasten sprengten und somit die Energieversorgung Norditaliens lahmlegten. Die Feuernacht führte schließlich dazu, dass sich die UNO ein weiteres Mal mit der Problematik Südtirols auseinandersetzte, diesmal allerdings unter Beobachtung der Öffentlichkeit, und es kam zur Ausarbeitung eines neuen Autonomiestatuts. Jedoch hatte die Feuernacht auch viele Verhaftungen zur Folge. Viele der Inhaftierten wurden gefoltert und geschlagen. Der 28-jährige Franz Höfler starb unter dubiosen Umständen in Untersuchungshaft. Der BAS wurde von Italien als terroristische und separatistische Bedrohung bezeichnet. Was allerdings nicht stimmt. So kann man doch niemanden als Terroristen bezeichnen, der lediglich für seine Freiheit und Unabhängigkeit in einem Staat kämpft, der ihm nichts als Unterdrückung verspricht. Sehr bald hatte der BAS auch Sympathisanten in Österreich und Deutschland und der Widerstand wurde von Einzelpersonen unterstützt. Es kam zu weiteren Sprengungen und sogar Kämpfen mit dem italienischen Militär. Zudem forderten die Anschläge immer mehr Menschenopfer.

Schließlich kam es 1972 zur Einführung des Südtirolpakets, welches 137 Maßnahmen zur Verbesserung der Lage der deutsch- und ladinischsprachigen Bevölkerung in Südtirol umfasste. Dieses Paket, welches Dinge wie die Gleichstellung der Deutschen mit der Italienischen Sprache oder das Einstellen von Deutschen in Südtirol in öffentliche Ämter beinhaltete, sollte bis 1974 verwirklicht sein. Doch es dauerte bis 1992, daraufhin gaben Österreich, Italien und die Vereinten Nationen eine Streitbeilegungserklärung ab.

Doch wie sieht die Situation heute aus? Besser? Wohl kaum! Noch immer kommt es zur Unterdrückung der Deutschen in Südtirol. Es gibt aufgrund der verschiedensten Herkünfte aus ganz Italien keine Identität. Die Italiener sind in diesem Land einfach nicht verwurzelt. Südtirol verkommt immer mehr zu einem Schmelztiegel verschiedenster Kulturen. Diese Politik ist vielen Deutschen in Südtirol ein Dorn im Auge, ist es doch ihre angestammte Heimat, die von der italienischen Regierung mit Füßen getreten wurde und wird. Der Ruf der deutschen Widerstandsorganisationen und Schützenbünde in Südtirol nach Selbstbestimmung und Unabhängigkeit wird immer lauter, doch niemand will ihn hören, weder bei uns noch anderswo. Doch wo soll das hinführen? Rom verstößt immer öfter gegen Südtirols Autonomie. Erst kürzlich bürdete das italienische Regime Südtirol 800 Millionen Euro Einnahmeentzug auf, ohne das Einvernehmen mit der dortigen Landesregierung sowie dem Landesparlament gesucht zu haben. Somit verstößt die italienische Regierung schwerstens gegen die seit 1972 bestehende Autonomie. Südtirol schlittert gemeinsam mit Italien immer mehr in die Krise. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Immer mehr Leute sind der Meinung, dass es kein echtes Miteinander zwischen zwei so unterschiedlichen Kulturen geben kann und wird. Was sich daran erkennbar zeigt, dass die gemeinsame Sprache, die wohl eines der wichtigsten Elemente der kulturellen Identität ist, nicht vorhanden ist. Man bemüht sich auch nicht darum. Immer mehr Wirtschafter erkennen die Probleme Südtirols  als Teil in diesem heruntergewirtschafteten Staat. Im italienischen Staatsgefüge sind die Südtiroler Unternehmer einem Bürokratiedschungel ausgesetzt, der kaum durchschaubar und zu kostspielig ist.

Doch es wird nichts bezüglich aller Probleme unternommen. Die Regierungen in Deutschland und Österreich scheint das Thema nicht zu berühren. Man ist der Meinung, dass durch die EU sowieso alle Grenzen innerhalb der Mitgliedstaaten praktisch nicht mehr existent seien. Es ändert trotz alledem nichts an der derzeitigen Situation Südtirols, das trotz des Wegfallens von Grenzkontrollen an einen Staat gebunden ist, der weder geschichtlich noch kulturell  Ansprüche auf den deutschen Süd hatte und hat.
Die SVP, welche seit 1945 in Südtirol an der Macht ist, ist amtsmüde. Sie geht auf keine neuen Ideen ein und ist ebenfalls der Meinung, dass die EU alles besser gemacht habe. Allerdings ist ihr nicht klar, dass diese EU die Freiheit des Einzelnen, durch ihre Politik, schwer einschränkt.

Es gäbe noch vieles zu diesem Thema zu sagen, doch bin ich der Meinung, dass es an der Zeit wäre Taten sprechen zu lassen. Ein altes Thema wird wieder neu entfacht.

SÜDTIROL BLEIBT DEUTSCH!

phz