Politische Nachahmung

Eine in Österreich äußerst beliebte Strategie um gesellschaftliche und gesellschaftspolitische Schwierigkeiten und Missstände zu beseitigen besteht in dem Versuch, die Systeme anderer Länder zu kopieren. Die in jüngerer Vergangenheit angestrebten Nachahmungen reichen vom finnischen Bildungssystem (dem vermeintlichen PISA-Testsieger) über die Einrichtung einer Exzellenzuniversität nach amerikanischem Vorbild bis zur möglicherweise bevorstehenden Einführung einer Berufsarmee, wie es andere europäische Staaten kürzlich vorgezeigt haben. Dabei übersieht man aber ein wichtiges Detail: Große Systeme wie das Bildungssystem eines Staates sind zwingend mit anderen Gegebenheiten innerhalb des Staates oder Volkes verbunden und diesen entsprechend angepasst. Das bedeutet beispielsweise, dass die Änderung des Schulmodells allein entweder gar nicht möglich ist, oder dass durch die Umstellung nicht der gewünschte Erfolg eintritt. Denn um Bildungs- und Forschungseinrichtungen auf höchstem Niveau zu betreiben, wird eben auch eine Menge Geld benötigt, was an den Spitzenuniversitäten der Vereinigten Staaten von Amerika mittels gewaltiger Studiengebühren gelöst ist, in Österreich aber unmöglich scheint, gab es hier doch schon bei semesterweisen Gebühren von 363€ (und das auch nur für Langzeitstudenten) einen Sturm der Entrüstung.

Die Nachahmungs-Methode ist also bei politischen Entscheidungen höchst unangebracht; es ist dringend notwendig, eigene Ideen in ein politisches Amt einzubringen und nicht nur als Strohmann ein politisches Amt innezuhaben. Natürlich ist dafür eine gewisse Qualifikation für diese Aufgabe vonnöten, welche momentan bei den meisten politischen Entscheidungsträgern vermisst wird.

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