Religion im 21. Jahrhundert

Die Religion im Allgemeinen ist seit jeher stark mit dem menschlichen Unvermögen, bestimmte Gegebenheiten rational nachzuvollziehen, verwurzelt. So waren es vor dem Entstehen der sogenannten Weltreligionen Natur- oder Stammesreligionen, wie sie heute teilweise noch in entlegenen Regionen der Erde praktiziert werden, die dem Menschen dazu dienten, Unbegreifliches verständlicher zu machen.

Der Begriff Weltreligion ist wissenschaftlich nicht klar definiert. Generell werden die folgenden fünf Religionen als Weltreligionen bezeichnet: Das Christentum, der Islam, der Hinduismus, der Buddhismus und das Judentum. Diese Religionen unterscheiden sich in essentiellen Punkten teilweise sehr stark, so existiert beispielsweise der Glaube an nur einen Gott (Monotheismus) oder an mehrere Gottheiten (Polytheismus) oder der Glaube an ein Leben nach dem Tod im Paradies bzw. an die Wiedergeburt im Diesseits (Reinkarnation). Was all diese Religionen jedoch gemein haben, ist das Vermitteln bestimmter moralischer Werte und Gebote. Diese können sowohl friedfertiger und mitfühlender Natur sein, als auch grausame Handlungen verursachen. Letztendlich besteht sehr oft großer Spielraum in der Interpretation der Heiligen Schriften einer Glaubensgemeinschaft, was dazu führen kann, dass verschiedene Konfessionen innerhalb einer Glaubensgemeinschaft ein und dieselbe Passage unterschiedlich deuten.

Im Laufe der Geschichte wurden im Namen des Glaubens schreckliche Verbrechen begangen. Man denke dabei etwa an die Spanische Inquisition, an die Kreuzzüge nach Jerusalem, an den Genozid an den Armeniern im Osmanischen Reich, aber auch an aktuelle Geschehnisse wie Ehrenmorde oder die Missionierung Ungläubiger unter Androhung bzw. Anwendung von Gewalt, was in eklatantem Widerspruch zur Religionsfreiheit steht, welche auch in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UNO festgehalten ist. Etliche militärische Konflikte resultieren aus Differenzen zwischen Angehörigen verschiedener Religionen, was großteils auch historisch belegt werden kann. So birgt das politische Programm des Zionismus mit all seinen Folgen für das Volk von Palästina ein ebenso gewaltiges Konfliktpotential wie der Ausruf des heiligen Krieges gegen die vermeintlichen Feinde des eigenen Glaubens, welche durch das Anfertigen von Karikaturen oder die Festnahme des Sohnes eines Staatsmannes als solche entlarvt werden.

Religion kann aber auch die edelsten Seiten des Menschen zum Vorschein bringen. Karitative bzw. wohltätige Handlungen zugunsten Bedürftiger gelten in vielen Religionen als Tugend und werden von den Gläubigen erwartet.

Es ist zu beobachten, dass sich Menschen besonders dann den Beistand ihrer Geistlichen und Zuflucht im Glauben suchen, wenn der Wohlstand oder die Gesundheit gefährdet ist oder das persönliche Befinden leidet; wenn Hoffnung ersehnt wird, wo nicht viel Hoffnung besteht. Es ist ein allzu menschliches Verhalten und sicherlich auch unter anderem ein Grund, weshalb in Europa die Tendenz hin zum Profanen seit Jahrzehnten ungebrochen scheint. Wollen wir hoffen, dass nicht die Auswirkungen der Krise das Brechen dieses Trends bewirken.

 

joh