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Team Stronach

Der Automobilindustrielle Frank Stronach steht vor dem Sprung in die heimische Politik. Im Herbst 2013 wird er an der Spitze seiner Bewegung, wie Stronach seine Partei bezeichnet, zur Nationalratswahl antreten.

In den vergangenen Jahrzehnten gab es immer wieder Quereinsteiger aus der Unternehmerschaft in die Politik. Hans Peter Haselsteiner für das Liberale Forum, Thomas Prinzhorn bei der FPÖ, oder Martin Bartenstein als Wirtschaftsminister für die ÖVP engagierten sich mit unterschiedlich großem Erfolg für ihre Parteien. Im Gegensatz zu Stronach verstanden sie es im Hintergrund zu bleiben und andere als Protagonisten zuzulassen. Tatsache ist, dass das politische Parkett ungleich glatter ist als jenes der Wirtschaft, von erfolgreichen Unternehmern oftmals unterschätzt wird und somit eine steilere Karriere verhindert.

Stronachs Projekt, das „Team Stronach“, scheint eigentlich zum Scheitern verurteilt zu sein. Einer Partei, deren primäres Anliegen es ist, aus der gemeinsamen Währungsunion auszusteigen, um zur nationalen Währung zurückzukehren und die statt eines Parteiprogramms einen Ehrenkodex mit einem kryptischen Dreiklang (Wahrheit, Transparenz und Fairness) besitzt, kann keine ernsthafte Chance bei einer Nationalratswahl eingeräumt werden. Realitätsferne Ansichten und Übertreibungen, wie z.B. ein unrealistisch hoch gestecktes Wahlziel, lassen den Parteigründer alles andere als seriös wirken.

Die unglücklichen Engagements des Industriellen in der Welt des österreichischen Sports (Fußball, Pferdesport) gehören der jüngeren Vergangenheit an und stecken noch in den Köpfen der Wählerschaft. Stronachs bisherige TV-Auftritte und Interviews erwecken den Eindruck, einen nicht ganz ernstzunehmenden Seniormilliardär mit viel Selbstbewusstsein und Freizeit vor sich zu haben, der glaubt den Staat wie ein Unternehmen führen zu können.

Trotzdem hat Stronach eine komplett realistische Chance, die magische Vier-Prozent-Hürde, die für den Einzug in den Nationalrat notwendig ist, zu erreichen. Für die von der Politik Enttäuschten ist jede neue Bewegung willkommen und die Regierung ist momentan sein bester Wahlhelfer.

Stronach wird kaum Wählerstimmen durch seine Predigten von der Wirtschaft gewinnen, in der er sich zweifelsohne auskennt, sondern deswegen, weil er das bestehende System der Freunderlwirtschaft und der Korruption zum Zwecke der Parteienfinanzierung attackiert. Gerade durch das Verhalten im Rahmen des parlamentarischen Korruptions-Untersuchungssauschusses, verloren die etablierten Parteien massiv an Glaubwürdigkeit irgendetwas an der derzeitigen Methode in dieser Frage ändern zu wollen.  Stronach greift diese Missstände konkret an. Es ist hierfür nur sekundär, dass er politischer Laie ist und unprofessionell agiert, er trifft auf offene Ohren.

Die skandalösen Vorfälle der letzten Wochen rund um den U-Ausschuss bewirken einen rasanten Aufschwung der Politikverdrossenheit und somit einen Anstieg der Protestwählerschaft. Stronach erweckt zumindest den Eindruck, tüchtig, durchsetzungskräftig und authentisch zu sein, was vielen Berufspolitikern fehlt.

Fürs Erste können Stronachs Bekanntheitsgrad und einfach zu greifende Schlagworte reichen, um frischen Wind in die Politik zu bringen und eine Wählerschaft zu gewinnen. Auf längere Sicht wird sich der Milliardär so aber nicht in der Politik etablieren können. Hier ist er in guter Gesellschaft, wie einleitend erwähnt. Die Frage nach dem Erfolg von Stronachs Bewegung wird primär davon abhängig sein, wie sehr sich der Nationalrat in der Wählergunst bis zum Herbst 2013 von den derzeitigen Rückschlägen erholen kann.

phk