Und täglich grüßt das Murmeltier

Wer den an und für sich recht einleuchtenden Versuch unternimmt, durch tägliche Lektüre von Tageszeitungen oder Wochenmagazinen den Finger am Puls der Zeit zu haben, zu wissen, was auf der Welt vor sich geht und seine Fähigkeiten für den intellektuellen Diskurs zu schärfen, wird über kurz oder lang feststellen müssen, dass es sich bei diesem Unterfangen um verlorene Liebesmüh handelt.

 

Sollte man unter Größenwahn oder Übermut leiden, wäre ein Blick in eine beliebige Tageszeitung ein probates Mittel, um diese Gemütsbewegung der Depression anzunähern. Seit Wochen kursieren diverse Schreckensmeldungen à la „Schlittert Ungarn in die Rezession“, „Arbeitslosigkeit in Spanien über 20 %“, „Rekord-Haushaltsdefizit in den USA“, „Berlusconi hinterlässt Scherbenhaufen“ und so weiter und so fort in den diversen Tagesblättern; ganz zu schweigen von Griechenland, dem medial gekürten Finanz-Antichrist. Purzelnde Aktienkurse, verunsicherte Konsumenten und knausrige Banken sind wohl ebenso sehr die Folge als auch die Ursache für Krise um Krise um Krise, die wir seit Jahren erleben. Die Frage ob zuerst die Henne oder das Ei war, könnte einem dabei in den Sinn kommen.

 

Und auch wenn die Lage prekär ist, wird die ständige Erinnerung an den „Abgrund“, vor dem man sich befindet, wohl kaum zur Besserung der Situation beitragen. Man kommt nicht umhin, sich bei der Suche nach den Ursachen der „Krise“ die Frage zu stellen, in wie weit die Medien durch ihre tägliche Panikmache dazu beitragen, jeden Keim von Zuversicht und Vertrauen in der Bevölkerung schon im Ansatz zu ersticken.

Selbstverständlich steht es den „freien und unabhängigen“ Tageszeitungen Österreichs und Europas frei zu schreiben, was sie für richtig halten oder zumindest was sich unter Umständen verkauft. Aber von dieser – wie es scheint – vor einer Ewigkeit erstrittenen Freiheit (nämlich der Meinungs- und Pressefreiheit) wird ohnedies kaum Gebrauch gemacht. Journalismus anno 2011 hat weniger mit Enthüllungsjournalismus und ernsthafter Recherche als mit der Fähigkeit dem Webportal der Austria Presse Agentur einen Kurzbesuch abzustatten und dem Beherrschen der Tastenkombinationen Strg+c und Strg+v zu tun.

 

Zum Thema „frei und unabhängig“ wären unter anderem auch die Eigentümerstrukturen der österreichischen Tageszeitungen kurz unter die Lupe zu nehmen. Beinahe jeder weiß, dass die Mehrzahl der auflagenstarken Blätter irgendeiner Bank gehören, die wiederum irgendeiner (Groß-)Partei zuzuordnen ist. Somit schließt sich der Teufelskreis und die Frage, weshalb auch die Zeitungsfritzen (zB wirtschaftlich) so unfähig sind, beantwortet sich beinahe von selbst. Denn wirtschaftlich sind die Zeitungen und Magazine schon lange nicht mehr wettbewerbsfähig und es drängt sich die Frage auf, weshalb diese im Zeitalter der Profitgier überhaupt noch fortbestehen können. An diesem Punkt wäre wohl auf den Beginn dieses kurzen Artikels, der sich flüchtig mit der Beeinflussung durch die Medien auseinandersetzt, zu verweisen.

 

Von Zeit zu Zeit passiert es trotz allem, dass man einen vernünftigen Artikel unter die Nase bekommt (auch wenn man unter Umständen nicht der Meinung des Autors ist) und man beginnt wieder zu hoffen, dass es sich dabei um kein Einzelstück handelt. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

 

 

joh