WikiLeaks: Wie viel Wahrheit verträgt die Gesellschaft?

Kaum ein Tag vergeht ohne neue Enthüllungen derOnline-Plattform WikiLeaks. Doch der derzeitige Medienrummel ist auch auf diehartnäckigen Vorwürfe gegen Julian Assange, dem wohl bekanntesten Protagonistenvon WikiLeaks zurückzuführen. Ihm wird vorgeworfen, er habe sich an zweiSchwedinnen sexuell vergangen, weswegen in Schweden bereits ein Haftbefehlgegen ihn ausgestellt wurde. Derzeit hält er sich in England auf, wo er unterHausarrest steht.

 

Für die einen nur eine politische Schmierkampagne, fürdie anderen die gerechte Strafe, wenn auch nicht für das eigentliche Vergehen.Denn eines ist ganz klar: Der Australier Assange und seine Konsorten machensich mit ihren Enthüllungen bei weiten Teilen der politischen und wirtschaftlichenEliten unbeliebt. Dabei sind peinliche Details wie beispielsweise dieveröffentlichten Depeschen US-amerikanischer Diplomaten, die die Macken undMängel der europäischen Regierungen beinhalten, noch viel harmloser alsbrisante Informationen über wirtschaftliche Entwicklungen an der Wall Street, derenBekanntmachung aus ökonomischer Sicht durchaus weit reichende, nachteiligeFolgen verursachen könnten.

 Was will WikiLeaks erreichen? Will man einen neuenBörsencrash verhindern oder provozieren? Kerngedanke der Plattform ist dieFreiheit der Information. Doch grenzenlose Freiheit führt zwangsläufig zu Chaosund Anarchie; eine Gedanke, dem Assange nicht abgeneigt sein dürfte.

 Kritiker bemängeln die erbarmungslose Offenheit vonWikiLeaks, die auch das Leben von Unschuldigen (zB Informanten, die inDokumenten namentlich genannt werden) beeinträchtige oder gefährde. Auchbesteht die Gefahr, dass Informationen ohne vorherige Kontrolle oderVerifizierung (was bei den enormen veröffentlichten Datenmengen gar nicht soabwegig sein dürfte) publiziert werden. Die gezielte Weitergabe von gefälschtenoder manipulierten Daten wird nicht lange auf sich warten lassen. So gesehenkönnte man WikiLeaks als neue Waffengattung im „Cyberwar“ bezeichnen.

 

Haben wir das Recht alles zu erfahren? Bestimmt istdas keine einfach zu beantwortende Frage. Vielleicht ist es aber auch dieschlichtweg falsche Frage. Denn diese sollte wohl eher lauten:  Sind wir bereit den Preis für die uneingeschränkteInformation zu bezahlen?

jho