Wirtschaftswissenschaften tatsächlich in der Krise?

Zur Abwechslung bekommt man hier wieder einmal einen Beitrag zu lesen, der ganz und gar nicht aktuell ist.

Nahezu jedes Mal, wenn in der Weltwirtschaft etwas passiert, das nicht von Experten prophezeit bzw. vorhergesagt wurde, wird versucht eine Krise der wirtschaftswissenschaftlichen Lehre heraufzubeschwören. Ganz besonders kam dieses Phänomen nach der letzten Wirtschaftskrise zur Geltung. Da nun die gröbsten Wirren vorbei zu sein scheinen, ist ein relativ nüchterner Blick auf die Geschehnisse möglich. Die sogenannte Eurokrise wird hier ausgeklammert, da diese zunächst eher unter einen fiskalpolitischen Bereich denn unter einen makroökonomischen zu subsumieren ist.

Eine Abbildung bzw. eine Vorhersage eines solchen Ereignisses wird niemals exakt durchführbar sein, da es unmöglich ist, irrationales Verhalten von Bankern in einem Modell darzustellen. Schon gar nicht wenn es sich dabei um das Aufbauen eines Immobilienpyramidenspiels handelt, wobei deren Erfinder, als sie merken alles geht den Bach hinunter, noch einen Batzen Geld damit verdienen, dass sie mit Derivaten gegen ihre eigenen Erfindungen wetten.

Dass das Kartenhaus der Überschuldung – nicht nur das des Immobiliensektors – irgendwann zusammenbrechen würde, hätte jedem klar sein müssen. Viele sprachen das auch offen an. Wenige prognostizierten sogar die Schuldenkrise für den Zeitpunkt zu dem sie tatsächlich ausbrach (z.B. Nouriel Roubini). Die Meinungen dieser Pessimisten wurde öffentlich freilich negiert, denn solch negative Stimmung hätte die Märkte gedrückt. Das will bzw. wollte zweifelsohne niemand. Die meisten glaubten fest daran, dass man entstandene Löcher mit den zukünftigen Erträgen des Marktes wieder stopfen konnte. Im Nachhinein wissen wir, dass das ein Trugschluss war.

Den schwarzen Peter den Wirtschaftswissenschaften zuzuschieben wäre hier zu einfach. Wenngleich man hinzufügen muss, dass die Prognosemöglichkeiten durchaus ausbaufähig sind. An diesen wird auch stetig gearbeitet. So versuchen z.B. derzeit einige der amerikanischen „Starökonomen“ mithilfe der Daten von Yahoo bzw. Google Algorithmen zu entwickeln, die in der Lage sind Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen zu machen bzw. aktuelle Ereignisse besser abzubilden. Ein Beweis dafür, dass es zu früh ist um von einer Krise der Wirtschaftswissenschaften zu sprechen.

ale