Zeit der Narren

War Louis Vuitton böser Schlagender? Wurde ein Sendewagen des ORF zerlegt, weil er als „rechter“ Funk bekannt ist und in diesem Sinne immer einseitig berichtet? Sind die Mülltonnen Wiens Symbole eines subtilen Strukturfaschismus? Diese Fragen geben Hinweis, dass es den  randalierenden Horden in der Nacht zum Wiener Akademikerball nicht um politische Besserung oder ein hehres Ziel gegangen ist. Dies ist eine Feststellung die man treffen kann, abseits dessen was man von Burschenschaften oder Studentenverbindungen im Allgemeinen hält oder ob man gerne Bälle besucht. Was sich nun als Ergebnis gezeigt hat rührt vielmehr vom primitiven Trieb einer dummen Menge her – so, wie es im Kern den Fußballhooligans auch nicht um das runde Leder geht. Im Gegensatz zu den Stadionvandalismen sind der Schwarze Block und seine mitmarschierenden Solidaristen nur einen Schritt weiter. Sie haben erkannt: wenn man sich den Mantel des „Antifaschismus“ überzieht, kann man sich praktisch alles erlauben. Die Widrigkeit Personen tätlich zu attackieren wird mit dem zeitgleichen Ruf „Wir sind friedlich was seid ihr?“ quasi geheilt. Sie wenden dabei just jene Methoden an, gegen die sie vorgeben zu sein. Eine im Nationalrat vertretene Fraktion hat sich dies zum praktischen Nutzen gemacht, ein toller Synergieeffekt: die eine Seite lebt ungeniert ihren primitiven Trieb aus unter der Patronanz der andere Seite, die sich eines eigenen Parteiheeres für ihre Sache bedient. Und der Anzug des Antifaschismus ermöglicht die Narrenfreiheit alles zu tun, weil alles unter dem Stern des scheinbar Guten stattfindet, der Zweck heiligt jedwedes Mittel. Was ist denn der Unterschied zu den 1920er und 30er Jahren, als Parteien eigene Heere auf die Straßen schickten, außer, dass es den heutigen Stiefeltruppen womöglich mehr Freude bereitet trotz zunehmender Feigheit, das Gesicht zu zeigen.
 
Man könnte meinen, die Politikverdrossenheit des Volks ist Ziel von Teilen der Politik. Sie erlaubt der herrschenden Klasse sich ohne Einspruch politisch gehen zu lassen. Die Empörung über den verwüsteten ersten Bezirk griff platz, wie wenn dies unvorhersehbar gewesen wäre. Unsere Gesellschaft dürfte mittlerweile so bewusstseinsgeschädigt sein, dass man sich fragen muss, ob es immer erst vollendete Tatsachen braucht, dass die Menschen bemerken, was abläuft, obwohl die Ankündigungen deutlich genug wären. Noch dazu geht die Linke so stümperhaft damit um, ihre Kampfweste mit Nadelstreif zu kaschieren. Das „Aktionsbündnis“ „NoWKR“, das sich selbst als die radikale Linke bezeichnet, hat ihre Internetdomain von den Jungen Grünen bereitgestellt bekommen. Gleichen Schrittes marschierte die letztjährige ÖH-Vorsitzende Janine Wulz von den Grünen Alternativen Studenten mit dem Schwarzen Block an vorderster Front. Die Verbindung vom Schwarzen Block zu Jungen Grünen bis ins Hohe Haus ist eine Gerade. Übungsbecken für die Polit-Hools mit Reifeprüfung ist die Österreichische Hochschülerschaft. Wie vorliegende Unterlagen beweisen, sponserte die ÖH Uni Wien „NoWKR“ mit 6000 Euro aus der Tasche der Studenten, überdies wurden Busse bereitgestellt, um „Autonome“ kostengünstig nach Wien zu karren. Die ÖH ließ im Vorfeld wissen, sie solidarisiere sich „mit allen antifaschistischen Aktionen und Protesten“. Sie hat sich den Vorwurf gefallen zu lassen, Mitschuld am Resultat der Demonstrationen von besagter Nacht zu haben. Vom Klub der Freien und Unabhängigen, welchem auch der Ring freiheitlicher Studenten angehört, wurde in der Bundesvertretung am 31. Jänner 2014 der Antrag gestellt, die Österreichische Hochschülerschaft möge sich mittels APA-Aussendung oder Kundmachung im „ÖH-Progress“ von den Gewalttaten gegenüber Zivilgesellschaft und Polizei distanzieren. Es wurde argumentiert, dass ihr zum wiederholten Male ein großer Schaden in ihrem Ansehen entstanden ist. Der Antrag fand fünf Fürstimmen und wurde somit mehrheitlich abgelehnt! Die ÖH hat sich damit nicht nur den Vorwurf gefallen zu lassen, die Gewalt mitfinanziert und wohlwollend in Kauf genommen zu haben, sondern vielmehr noch (körperliche) Gewalt als probates Mittel in der politischen Auseinandersetzung anzusehen. Die Ablehnung dieses Antrags bedeutet klaren Wortes ein Bekenntnis zur Gewalt. Zur Gewalt gegen Andersdenkende und gegen alles, was sich ihr in den Weg stellt. Der Vorwurf gegenüber den Linksfraktionen, man benutze den Linksextremismus um den ständig selbst heraufbeschworenen Geist des Rechtsextremismus zu bekämpfen, wurde nicht kommentiert. Es sei in diesem Sinne gefragt, wie weit die ÖH noch gehen muss bis die angehenden Akademiker erkennen, wes Geistes Kind ihre „Interessensvertreter“ sind.
 
Es wäre nicht allzu schwierig: Die gesamte Linke agiert stümperhaft. Sie schafft es, in einzelnen Sätzen tragikomische Widersprüchlichkeiten zu produzieren. Es ist irrwitzig, die polizeiliche Platzsperre zu beanstanden weil man die Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit in Anspruch nehmen möchte um eine andere Veranstaltung zu verhindern. Es ist irrwitzig, in allerlei Aussprüchen zu betonen, wie sehr man dieses Land und seine Leute hasst oder zu empfehlen, ein „Flaggerl fürs Gackerl“ zu nehmen und man eines Atemzugs argumentiert, man wolle keine „Rechtsextremisten“ (im Sinne Andersdenkender) in der Wiener Hofburg, weil diese sei ein Repräsentationshaus unserer Republik. „Was jetzt?“, mag einer sich denken wenn er hört, der Akademikerball wäre ein internationales Vernetzungstreffen; Herrschaften aus aller Herren Länder würden sich fürs geheime Pläneschmieden treffen während man denselben vorwirft Ausländerfeind und Rassist zu sein.
 
Zu schlechter Letzt bleibt mir der Verdacht, dass unser politischer Gegner, wie er sich wieder letztlich präsentiert hat, ein bisschen Pippi Langstrumpf ist – „Ich mach mir die Welt, wide wide wie sie mir gefällt...“ und dabei dieselbe nette Fratze vormacht.  Aufwachen ist angesagt. Natürlich ist das nicht einfach, ist es heutzutage beinahe unmöglich, objektive Berichterstattung zu bekommen. Dazu kommt, dass das Vermögen zum kritischen Gedanken eine Schwundeigenschaft ist. Aber wenn die Narren der Straße heute schon eine Mehrheit in der Österreichischen Hochschülerschaft haben, dann Gnade uns Gott. Es würde ein unerfüllter Wunsch sein, unsere jährliche Tanzveranstaltung im repräsentativsten Ballsaal unser Idiokratie begehen zu dürfen.
 
mvh