Schwarz-rot-gold - Zur Herkunft der burschenschaftlichen Farben

 

Die Geschichte der heutigen deutschen Farben ist als deren allgemeines nationalliberales Symbol aufs Engste mit der Geschichte der deutschen Einigung, ihrer Krisen und Höhepunkte, verknüpft. Sie ist geschichtswissenschaftlich vollkommen übersichtlich und belegbar.

Im Zuge der Befreiung der deutschen Länder von der napoleonischen Besatzung gründete der preußische Major Ludwig Wilhelm Freiherr Lützow im Februar 1813 mit königlicher Erlaubnis ein sogenanntes Freicorps, das die preußischen Verbände im Beifreiungskampf ruhmreich unterstützte. Die Uniform des Corps war eine schwarze Litewka mit roten Vorstößen an Kragen und Aufschlägen und goldgelben Knöpfen. Durch das Corpsmitglied Theodor Körner, der ein populärer Literat und Sohn eines Freundes und Beraters Friedrich Schillers war, wurde die Uniform der Jäger volkstümlich. Nach den Befreiungskriegen (1813-1815) trugen die Burschenschaften, in denen sich vor allem in Jena viele Lützower befanden, ihre Waffenröcke als Bundeskleidung weiter; daraus entstanden ihre Bundesfarben Rot und Schwarz mit Gold durchwirkt, ebenso ihre Fahne. Beim Wartburgfest am 18. Oktober 1817 wurden sie zu den Farben der Deutschen Burschenschaft. Ihr nationalliberales Programm beinhaltete die staatliche, wirtschaftliche und kirchliche Einheit Deutschlands, eine konstitutionelle Monarchie mit Ministerverantwortlichkeit, einheitliches Recht mit öffentlichen Verfahren und Geschworenengerichten, Rede- und Pressefreiheit, Selbstverwaltung und allgemeine Wehrpflicht. Nach dem Verbot derselben durch die Karlsbader Beschlüsse (1819) wurde daraus durch das „Farbenlied“ – „Wir hatten gebauet ein stattliches Haus“ – von August Daniel von Binzer (Freund Adalbert Stifters, gestorben in Linz 1868) die Reihenfolge schwarzrotgold. Beim revolutionären liberalen Hambacher Volksfest vom 27. Mai 1832 zweifelte niemand mehr daran, dass dies die deutschen Farben und das Symbol für Einigkeit und Demokratie seien.

Am 9. März 1848 erklärte der Bundestag des Deutschen Bundes Schwarzrotgold zu seinen Farben; die Frankfurter Nationalversammlung beschloss am 13. November 1848 sogar ein Flaggengesetz. Das wilhelminische zweite Kaiserreich verwendete hingegen so wie später das Dritte Reich die Farben Schwarzweißrot. Noch im November 1918 wurde Schwarzrotgold zum Symbol der Weimarer Republik. Bereits am 1. November 1918, wenige Tage vor dem Zusammenbruch der Monarchie und der Kapitulation der Mittelmächte kam es am Linzer Hauptplatz zu einer Kundgebung für die Republik. Das Rathaus und alle anderen Fassaden des Linzer Hauptplatzes waren mit riesigen schwarzrotgoldenen Fahnen geschmückt. Nach 1945 griff die westdeutsche Bundesrepublik als Ausdruck des unbedingten Willens zur Demokratie wieder auf die alten Farben der deutschen Burschenschaften zurück. Selbst die implodierte kommunistische „DDR“ war bemüht, durch Schwarzrotgold eine demokratische Legitimität vorzugeben.

 

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